Mrz
28

46 Tage vegan fasten: Halbzeit olé, olé

Die Hälfte meiner veganen Fastenzeit ist nun geschafft. Ich kann es gar nicht glauben, wie schnell die Zeit vergeht. Trotzdem freue ich mich darauf, bald wieder essen zu können, wonach mir die Laune steht. Klar, macht es mir weiterhin viel Spaß und fühle mich als Veganer wohl – aber es ist schon schwierig und mein Respekt vor den echten Veganern steigt mit jedem Tag.

Was habe ich in den letzten zwei Wochen Neues über die vegane Küche gelernt? Dass vor allem die indische Küche viele Gerichte für Veganer bereithält. Das ist großartig, denn an die indische Küche habe ich mich vorher kaum rangetraut. Das würde ich ohnehin jedem Neu-Veganer oder –Vegetarier raten: Statt die alt bekannten Gerichte einfach ohne Fleisch und Käse nachzukochen, ist es viel einfacher, sich auf neue Gerichte einzulassen. Sonst sucht man beim ersten Biss  nach dem alten Geschmack und erreicht ihn doch nie zu 100 Prozent. Aber muss man auch nicht, es gibt sooo viele vegane Gerichte, die richtig toll sind. Man muss sich nur mal darauf einlassen.

Meine vegane Backstube

Natürlich gelingt auch nicht alles auf Anhieb… Wie in meinem Fall das Backen. Statt Süßigkeiten zu naschen und mich an den Kuchen, Weingummis, Krümelmonstermuffins und Franzbrötchen zu bedienen, die die Kollegen hier immer wieder mitbringen – warum gibt es ausgerechnet in der Fastenzeit so viele Geburtstage, menno! – backe ich mir am Wochenende vegane Kuchen.

Kruemlemonstermuffins

Mein erster Versuch war ein Apfelnuss-Kuchen. Geschmeckt hat er super, nur die Konsistenz war ungewohnt: Matschig. Obwohl ich mich an die Temperatur und Zeit gehalten habe und obwohl mein Ofen bestens funktioniert. Nur habe ich nicht eingesehen, mir für 3 EL extra ein Sojamehl zu kaufen. Das andere Mehl tut’s doch auch – dachte ich. Jetzt weiß ich es besser, denn das Sojamehl dient als Ei-Ersatz, wie ich dann erfahren habe. Bei meinem zweiten veganen Kuchen, einem Schokokuchen, war ich schlauer. Dieses Mal habe ich mich nicht nur an die Backanleitung gehalten, sondern auch an alle Zutaten. Scheinbar war die erste Erfahrung aber doch ein bisschen zu lehrreich, denn dieser Kuchen war ein bisschen zu lange im Ofen. Deswegen war er dieses Mal auch nicht matschig, sondern einen Tick zu trocken. Lecker war er trotzdem. Doch wie heißt es so schön: Aller guten Dinge sind drei. Ich bin zuversichtlich, dass der nächste mir perfekt gelingen wird. Denn ganz unmöglich scheint es nicht zu sein. Meine Kollegin Katja, die extra vegane Muffins mit einer Zuckeralternative gebacken hat, damit auch wirklich alle veganen (Zucker & Kaffee-)Fastler mitessen können, hat es ja auch hinbekommen. Ihre Muffins waren perfekt. Das möchte ich auch schaffen.

Als Veganer „outen“

Bisher habe ich überwiegend positives Feedback zu meiner veganen Fastenzeit bekommen. Familie und Freunde unterstützen mein Vorhaben und haben immer eine vegane Alternative zu essen mit eingeplant. Vielen lieben Dank dafür. Selbst Ausessen gehen hat bei mir prima funktioniert. Auch wenn ich ein bisschen gefuscht habe und mir ein Restaurant ausgesucht habe, dass auch vegane Gerichte anbietet. Aber auf der anderen Seite: Wenn ich etwas Italienisches essen möchte, gehe ich ja auch nicht auf gut Glück zum Chinesen. Deswegen ist es nur halb gefuscht, finde ich. Später am Abend wollte ich jedenfalls noch ins Kino gehen. Und dort Popcorn essen. Ich stehe also an der Theke und frage, ob an dem Popcorn Butter sei. Zucker und irgendein Öl oder Butter werden schon dran sein, war die Antwort. Ich: „Na gut, dann frage ich genauer: Ist das Popcorn vegan?“ Er, laut Richtung Kasse rufend: „Oh mein Gott, Markus (ich glaube so war der Name): Darf man unser Popcorn offiziell als vegan bezeichnen?“ – dass der Unterton genervt war, muss ich wohl nicht mehr erwähnen. Schön. Nun weiß also die ganze Schlange an der Kasse und die Schlange hinter mir, dass ich vegan esse – und dass ich ihn mit so einer blöden Frage belästige. Naja, letztendlich habe ich meine Antwort und auch mein Popcorn bekommen, aber das war mir schon ziemlich unangenehm und ich war geneigt, ihm zu erklären, dass ich es nur als Experiment mache. Aber dann dachte ich mir: wozu? Ist doch meine Entscheidung und ich darf nachfragen, was sie verkaufen. Ob man das an der Kino-Snacktheke wissen muss, ist wieder eine andere Frage. Aber er hätte auch einfach sagen können: Tut mir leid, das weiß ich nicht. Wäre mir auch egal gewesen. Ich setze nicht voraus, dass jeder meinen Entschluss, vegan zu essen, versteht oder gut findet – warum auch? Aber so offenkundig zu zeigen, wie lästig ihm meine Nachfrage ist, muss auch nicht sein, finde ich. Schließlich bleibt einem Veganer im Zweifel nichts anderes übrig, als nachzufragen. Aber gut, für meinen nächsten Kinobesuch weiß ich Bescheid.

Mein Rückblick auf die Schnelle:

Mein kulinarisches Highlight

Die indische Linsensuppe aus meiner ersten Fastenwoche ist noch nicht von ihrem Thron gestoßen worden. Aber ganz, ganz dicht dran sind Vollkornbratlinge. Die sind super gut und schmecken mir sogar besser als Frikadellen.

Mein kulinarischer Flop

Leider, leider mein selbst gemachter veganer Parmesan-Ersatz. Ja, wirklich leider, leider, denn ich liebe Pasta. Am liebsten als aglio e olio e peperoncino-Variante mit gebratenen Paprikastreifen oder kurz in der Pfanne geschwenkten und halbierten Cherrytomaten. Dazu gehört natürlich eine ordentliche Portion echter Parmesan, der mindestens 36 Monate gereift ist. Der saugt das Olivenöl nochmal schön auf und gibt dem Ganzen die perfekte Würze. Mmh, lecker! Nun fehlt der Parmesan leider in der Fastenzeit und die Pasta schmeckt mir nur noch halb so gut. Was habe ich mich über das Rezept für veganen Parmesan gefreut, das ich gefunden habe: Mit Hefeflocken, Pinienkernen und Knoblauch. Klingt gut, schmeckt für mich aber leider nach Brühwürfeln.

Meine neusten Gelüste

Meine Lakritzlust habe ich hinter mir – zum Glück. Jetzt sehne ich mich nach Schafskäse. Letzte Woche hatte ich nicht wenig Lust, in den Supermarkt zu gehen, mir ein Paket Schafskäse zu kaufen und reinzubeißen, als wäre es ein knackiger Apfel – ich habe es natürlich nicht gemacht. Und ich werde das so auch nach der Fastenzeit nicht machen. Schafskäsebrösel auf einem Salat wird aber eine Sache sein, die ich ziemlich bald nach Ostern essen werde.

Womit belohne ich mich zur Halbzeit?

Da dürft ihr nur einmal raten: mit der indischen Linsensuppe, die ich direkt in meiner ersten Fastenwoche kennen- und liebengelernt habe. Ich freu mich schon auf heute Abend.

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Birgit Henrich

Redakteurin bei Chefkoch.de
Nach dem Studium der Ernährungswissenschaft, anschließender Selbstständigkeit und zuletzt einem Volontariat habe ich schließlich als Redakteurin zu Chefkoch.de gefunden.

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12 comments

  • Hi,
    den Schokokuchen habe ich auch schon im Blick gehabt. Ich habe vor einiger Zeit mal diesen Apfelkuchen und war eigentlich auch ganz zufrieden damit.

    Ich faste ja aktuell Süßigkeiten .. und kann das nur bestätigen, dass es hier aktuell ganz eindeutig zu viele Geburtstage, Jubiläen oder sonstige Gelegenheiten gibt, wo Unmengen an Süßigkeiten und/oder Kuchen angeboten werden. 🙂

  • Hallo Benni,

    hihi, ich sehe du hast auch so deine Erfahrung mit Kuchen gemacht, die zu lange im Ofen waren. Da bin ich ja jetzt vorgewarnt, wenn ich den nachbacke 🙂

    Erstaunlich, wie sich die Festlichkeiten so bündeln in der Fastenzeit, gel? Aber ich hoffe doch, dass noch ein paar Kollegen und Freunde übrig bleiben, die auch nach Ostern etwas zu feiern haben….

    Viel Erfolg weiterhin,

    Birgit

  • Wieso fuscht man wenn man sich ein geeignetes Restaurant aussucht was auch sicher vegane Sachen anbietet ich nehme es eher als konsequent da es ja auch ein Experiment ist so kommt mangarnicht erst in Verlegenheit vegan ist echt eine Herausforderung Viel Erfolg weiterhin

    • Hallo Anna,

      hast ja eigentlich recht – ich seh’s ja inzwischen auch so. Auf der anderen Seite würde ich auch nicht erwarten, dass meine Freunde nur wegen mir ausschließlich in vegane Restaurants gehen. In unserem Stammlokal hätte ich wohl schlechte Karten, etwas Veganes zu finden – außer Salat halt.

      Schöne Grüße
      Birgit

  • Hallo!

    Bei den Hefeflocken gibt’s ziemliche geschmackliche Unterschiede je nach Marke. Welche hattest du denn?
    Ich würde Erntesegen Hefeflocken oder Naturata Melasse Würzhefeflocken empfehlen. Die von Vitam, die’s in den meisten drogerien und so gibt, sind recht gewöhnungsbedürftig vom Geschmack her.

    Und dann kann ich dir noch ein Rezept empfehlen:
    http://www.maplespice.com/2011/04/baked-almond-feta-with-dill-oil.html

    Das solltest du echt ausprobieren.

    LG

  • Hallo Indi,

    ehrlich gesagt, weiß ich nicht mehr, welche Hefeflocken ich probiert habe. Das Rezept sieht wirklich schmackhaft aus – und ich liebe Mandeln. Danke für den Tipp,

    Birgit

  • Hallo Birgit,

    bitte erkläre mir, wie das zusammenpasst:

    “freue ich mich darauf, bald wieder essen zu können, wonach mir die Laune steht. Klar, macht es mir weiterhin viel Spaß und fühle mich als Veganer wohl”

    Hier scheint doch etwas mit deinem Wohlbefinden als Veganerin nicht zu stimmen.

    Liebe Grüße
    Jochen

  • Hallo Jochen,

    ich fand die Zeit als Veganerin sehr spannend, das Experiment hat mir Spaß gemacht und ich habe mich wohlgefühlt – in dem Wissen, dass es nach x Tagen endet. Es isst sich einfach unbeschwerter. Klar, achte ich auch jetzt auf Qualität und Herkunft von Lebensmitteln, das ist mir sehr wichtig. Außerdem habe ich nach der veganen Fastenzeit beschlossen, auch noch weniger Fleisch zu essen.

    Schöne Grüße
    Birgit

  • Hallo Birgit,
    ich ernähre mich seit letzten Monat Vegan und ich finde es wirklich nicht einfach! Besonders die ersten Tage waren schwer. Meine Freundin hat mir auch empfohlen indische Gerichte zu probieren. Das war die Rettung! Ich liebe indisches Essen und es macht spaß indisch zu kochen! Von meinen Freunden gibt es unterschiedliche Meinungen zu meiner veganen Ernährung. Gerade beim Grillen herrscht doch eine “NUR” Fleisch-Haltung : (. Andere sind offener und probieren auch mal meinen Tofu 🙂 LG Vanessa

  • Da muss ich Vanessa einfach mal zustimmen. Mir geht es da ähnlich, ich habe angefangen mich vegetarisch zu ernähren, doch das war dann nicht genug und jetzt lebe ich seit 4 Jahren vegan und mir geht es super. Ich lasse mich regelmäßig durchchecken und hatte bis jetzt noch keinerlei Mangelerscheinungen. Das kann ich eigentlich nur allen Veganern und Vegetariern raten, da das Risiko definitiv besteht, wenn man sich nicht richtig und ausgewogen ernährt.

    Grüße aus München
    Chris

  • Hallo Birgit,
    ich finde es ganz toll, dass du so mutig warst, ein veganes Experiment zu machen und auch so gut durchgehalten hast! Ich bewundere Veganer für ihr Durchhaltevermögen sehr und würde bald selber gerne solch ein Experiment machen. In der Grillzeit stelle ich es mir auch recht schwierig vor. Ich möchte nicht unbedingt auf Fleischersatz zurück greifen, sondern lieber Lebensmittel kaufen, bei denen ich weiß, was drin ist. Am besten macht man vielleicht einiges selber. Jetzt, wo die Herbstzeit beginnt und sowieso nicht mehr gegrillt wird, kann man bestimmt einige warme Gemüsesuppen machen, oder Gemüse im Backofen, wie zum Beispiel gebackenen Kürbis oder Maiskolben, natürlich alles mit Olivenöl und gut gewürzt- mhmm 🙂

  • Also beim Fasten, der Definition des Begriffes nach, wird nichts Festes gegessen. Davon halte ich nichts, aus diesen Gründen:

    “Wenn dem Körper keine Nahrung zugeführt wird, schaltet er nach ein bis zwei Tagen auf den sogenannten Hungerstoffwechsel um, bei dem so wenig Energie wie möglich verbraucht wird. Der Blutdruck sinkt und der Körper wird entwässert. Es gibt Mediziner, die das Fasten als starke körperliche Belastung bezeichnen und es daher nur Gesunden empfehlen, wenn überhaupt. Nach mehreren Tagen werden die Eiweiß- und Fettreserven des Körpers allmählich aufgelöst. Bei diesen Stoffwechselvorgängen bilden sich Ketokörper wie Aceton, erkennbar an Mund- und Körpergeruch. Bei längerem Fasten schüttet der Körper auch Endorphine aus, um die „Hungerphase“ erträglicher zu machen. Pro Tag verlieren Fastende im Durchschnitt etwa 400 Gramm Gewicht, am Anfang vor allem Eiweiß und damit Muskelsubstanz, sofern kein Eiweiß zugeführt wird. Bei einer kurzen Fastendauer kann dieser Verlust in kurzer Zeit wieder ausgeglichen werden. Mehrwöchiges Fasten kann den Herzmuskel angreifen.”

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