Mrz
17
1. inoffizielles Chefkoch.de Whisky-Tasting

Das 1. inoffizielle Chefkoch.de Whisky-Tasting

Als Torsten, Hendrik und ich bei einem Gläschen Glenfarclas in der Bonner Altstadt die Idee hatten, ein Whisky-Tasting für unsere Kollegen bei Chefkoch.de zu veranstalten, hätten wir nie gedacht, wie viele tatsächlich unsere Leidenschaft für diese Spirituose teilen. Am letzten Freitag Abend war es also soweit: Insgesamt 14 Mitarbeiter aus den verschiedensten Abteilungen versammelten sich in unserer Gemeinschaftsküche, um ihre liebsten Tropfen zu verköstigen.

Um eine gute Grundlage zu schaffen, kümmerten wir uns zunächst darum, ein paar selbst gemachte Pizzen in den Ofen und anschließend in den Magen zu bekommen. Markus hatte die verschiedenen Zutaten dankenswerterweise bereits im Laufe des Tages eingekauft. Auch wenn Torsten anmerkte, dass das Essen von Pizza vor einem Whiskey-Tasting “eher der Ketzerei” gleichkomme, schmeckte es allen gut. Sicher “besser als ein schottisches Shortbread“. Um trotzdem für die richtige Stimmung zu sorgen, ließen wir im Hintergrund natürlich eine Playlist mit schottischer Musik laufen.

Bevor wir nun die erste Flasche öffneten, wurden vorab einige allgemeine Fakten über Whisky ausgetauscht: Whisky wird grundsätzlich aus Getreidemaische hergestellt. Diese wird zunächst gegärt und destilliert. Der so entstandene Brand besitzt eine Stärke von über 60% Vol. Er wird dann meist mit Wasser auf eine Stärke von ca. 50-56% Vol. (sogenannte Fasstärke) verdünnt und in Holzfässer gefüllt. Der Brand muss nun mindestens 3 Jahre im Fass reifen, bevor er sich Whisky nennen darf. Dabei verliert er jährlich ca. 0,5 – 1% Vol. (sogenannter Angels’ Share). Da ein Whisky laut Gesetz aber auch mindestens 40% Vol. besitzen muss, ist die maximale Dauer der Fassreifung tatsächlich beschränkt. Ähnlich wie beim Wein ist es durchaus üblich verschiedene Whiskys vor der Abfüllung in Flaschen miteinander zu vermischen. Der so entstehende Verschnitt, der sich beim Wein Cuvée nennt, trägt beim Whisky das Beiwort “Blended”.

Genug des Fachsimpelns: Es war an der Zeit, die ersten Whiskys zu probieren. Den Anfang machte Andreas mit einer Flasche Aberlour White Oak, der 2004 seinen Weg ins Fass und 2014 in die Flasche fand. Es handelte sich hier um einen Scotch, also Whisky aus Schottland. Die ersten Adjektive, die fielen, waren “süß” und “mild”. Die Milde verwunderte Manuel natürlich nicht, diese sei “ganz typisch für die amerikanische weiße Eiche”. Torsten schmeckte durchaus auch “eine medizinische Komponente, leicht bitter”. Andreas hatte das letzte Wort: “Ist glaube ich eher was für meine Frau”.

Auch der nächste Whisky eignete sich gut für den Anfang des Tastings. Miriam hatte uns einen Deanston Highland Single Malt Whisky mitgebracht. Sie berichtete, dass sie diese eher kleine Brennerei während ihres Schottland-Urlaubs selbst besucht hatte. Der Whisky dieser Brennerei ist auf dem deutschen Markt eher seltener zu finden. Er besitzt eine vergleichsweisen hohen Alkoholgehalt von 46,3% Vol. Besonderheit des Deanston: Er wird ohne Kühlfilterung hergestellt. Inzwischen wird diesem Verfahren nämlich nachgesagt, dass es dem Whisky nicht nur unerwünschte Stoffe, sondern auch typische Geschmackstoffe entzieht und dessen echtes Aroma somit verfälscht.

Dritter in der Reihe war nun Christian mit einem 12-jährigen Auchentoshan Single Malt Scotch. Er reift in alten Bourbon- und Sherry-Fässern und besitzt laut Etikett Aromen von Karamel, Mandarienen und Honig. Christian und wir anderen war uns aber nicht sicher, ob wir diese wirklich alle erschmecken konnten, wenigstens beim Honig. Wir schmeckten eher Crème Brûlée und Zitrusfrüchte. Im Gegensatz zu den ersten beiden handelte es sich hierbei nicht um einen Highland Scotch, sondern um einen aus dem Lowland, sogar um den meistverkauften Single Malt aus dieser Region. Weitere Besonderheit: Im Gegensatz zu den meisten anderen Whiskys ist der Auchentoshan nicht nur zweimal destilliert sondern “tripple distilled”.

Nun war ich endlich mit einem The Balvenie DoubleWood an der Reihe, einer Empfehlung meines Schwagers. Dieser 12-jährige Scotch aus der Region Speyside zeichnet sich dadurch aus, dass er in zwei verschiedenen Holzfassarten gelagert wird. Er reift zunächst für ca. 10 Jahre in einem Bourbon-Fass, um anschließend noch einmal zwei Jahre in einem Sherry-Fass veredelt zu werden. Torsten schwärmte, dass der Balvenie für ihn der einzige Whisky ist, bei dem er “wirklich schmeckt, dass er in zwei Fässern war”. Miriam sagte einfach nur, das ist “der Beste”. Michael stellte fest, der “riecht unglaublich gut” und empfahl “für jedes Jahr im Fass eine Sekunde auf der Zunge!”.

Es folgte Flavio mit einem Glenfiddich Special Old Reserve Pure Malt. Diesen Scotch, der ebenfalls aus der Speyside Region stammt, hatte er von einem Freund geschenkt bekommen. Auch wenn diese Serie keine konkrete Altersangabe hat und man somit nur weiß, dass er mindestens 3 Jahre im Fass war, zählt er dennoch zu den erfolgreichsten Malt Whiskys der Welt. Manuel berichtete zunächst, dass die dreieckige Form der Flasche für die drei Komponenten Wasser, Feuer und Malz stehe, die jeden Whisky ausmachen. Insgesamt schmeckte der Glenfiddich allen durchaus schärfer als die vorherigen Tropfen. Andreas erzählte nun, wie er zum Whisky-Trinken kam: Durch das Buch “Lautlos” von Frank Schätzing! In diesem gibt es wohl einen Whisky-affinen Professor und am Ende des Buches eine Beschreibung aller Whiskys, die er im Laufe des Buches trinkt. Nach der Lektüre dachte Andreas sich: “Das probiere ich auch mal”. Leider beschreibt der Professor den Glenfiddich wohl als Touristen-Whiskys, was unserem Geschmackserlebnis beim Tasting nicht ganz gerecht wurde.

Nun war Hendrik an der Reihe, der uns einen Kilchoman Islay Single Malt mitgebracht hatte, einem Geheimtipp aus dem Bonner Pfeifen & Cigarrenhaus. Im Gegensatz zu den meisten Whiskys ist dieser nicht gefärbt. Er kommt aus der Scotch-Region Islay, bei der es sich um eine kleine Insel, nämlich um die südlichste der inneren Hebriden, handelt. Der Whisky von dieser Insel ist typischerweise sehr torfig und rauchig, insgesamt also von einem sehr kräftigen Geschmack. Ähnlich wie bei Wein sollte man natürlich darauf achten, auf einen kräftigen Whisky immer nur noch einen kräftigeren folgen zu lassen. Der Umstieg auf die rauchigen Whiskys wurde sodann mit dem Wortspiel “Ihr habt es aber Islay ([ˈaɪlə])!” kommentiert. Besonderheit des Kilchoman ist, dass er aus der jüngsten der nur acht Brennereien auf der Insel stammt und zudem um eine ihrer ersten Abfüllungen aus dem Jahr 2005 ist. Die Brennerei ist außerdem die einzige der Islay-Brennereien, die nicht direkt am Meer liegt. Torsten beschrieb ihn als “ein bisschen edgy, also kantig”. Er wieß uns außerdem auf die sogenannten Kirchenfenster hin. Diese Schlieren entstehen, wenn man sehr ölige Tropfen im Glas schwenkt. Miriam’s Fazit: “Rauchig ist nicht so meins”. Andreas bestätigte: “Sieht meine Frau genauso”.

Nun wartete Manuel mit zwei besonderen Whiskeys auf. Ja richtig, an dieser Stelle schreibe ich Whiskey mit zusätzlichem e, denn seine beiden stammen aus Irland und aus Amerika, wo man den Whiskey eben anders schreibt als in Schottland. Zunächst kredenzte er uns einen Connemara Peated Single Malt, den ersten irischen Whiskey des Abends. Glücklicherweise zeichnet sich dieser im Gegensatz zu allen anderen irischen Whiskeys durch einen besonders torfigen Geschmack aus, so dass er gut in die Reihe passte.

Nicht so torfig dafür aber für einen Bourbon besonders würzig war sein zweites Mitbringsel, ein Bulleit Bourbon, den ersten amerikanischen Whiskey des Abends. Er ist länger nachgesetzt als andere Bourbon und besitzt einen Roggenanteil von 28%, eher ungewöhnlich für die sonst vor allem aus Mais gemachten Whiskeys aus Amerika, die sonst typischerweise süßlich und nach Vanille schmecken. “Ganz leichter Rauch”, fand Hendrik. Michael vermisste im Vergleich zum vorigen Whiskey die Kopfnote: “Vorne etwas lasch!”. Torsten hingegen war begeistert: Für ihn war der Bourbon “etwas besonderes”, er schmeckte “fast schon zitrus” und vermerkte den Bourbon “für seine Einkaufsliste”.

Als nächstes Highlight des Abends folgte der Nikka Whisky von Tina, dem ersten japanischen Whisky des Abends. Die Japaner gehören inzwischen zur Weltspitze der Whisky-Erzeuger, wie Torsten berichtete. Nach ersten Versuchen und Fehlschlägen in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts, die auch Wissenschaftler und der Import von schottischem Wasser und Torf per umgebauten Öltanker nicht verhindern konnten, setzten die Japaner vor allem auf das Anheuern von Fachkräfte und Knowhow aus dem Ausland. Die jahrzehntelange Mühe hat sich gelohnt: In Jim Murray’s Whisky-Bibel, einer einschlägigen Referenz, belegt dieses Jahr ein Japaner den ersten Platz als weltbester Whisky.

Der Japaner hatte uns nun laut Torsten “genug neutralisiert, dass einen der Lagavulin wegflashed!”. Man merkte, die Stimmung war merklich gestiegen und ebenfalls passend zum Lagavulin Islay Single Malt wurden nun über die Spotifyplaylist Lagerfeuer Songs gespielt (man beachte das Wortspiel). Der 16-jährige Scotch, der ebenfalls von der Islay kommt, wird in einer Brennerei direkt am Meer erzeugt, wie Torsten referierte. Man sagt ihm deshalb einen salzigen Geschmack und eine leichte Seetang-Note nach. Typisch auch wieder der schinkenrauchige Geschmack, der beim 16-jährigen im Vergleich zum 12-jährigen deutlich runder ausgebildet ist und leicht in den Hintergrund rückt. Der Lagavulin sei zwischen all den Whiskys sehr markant, sagte Andreas, “den kann man rausschmecken”. Weitere unter Whiskys sehr seltene Besonderheit: Der Lagavulin wird aus stehendem Wasser (aus zwei Seen) hergestellt, berichtete Torsten abschließend.

Auch der nächste Whisky, den Michael uns mitgebracht hatte, stammt von der Insel Islay und trägt den Namen, den sich die Bewohner der Insel selbst geben: The Ileach Islay Single Malt. Doch obwohl er von der kleinen Insel kommt und den typisch rauchigen Geschmack besitzt, verrät der Hersteller nicht, aus welcher der acht Brennereien er stammt. So streiten Liebhaber weltweit, ob es sich eher um einen Caol Ila, einen jungen Lagavulin oder um einen Whisky aus der Brennerei Laphroaig handelt. Deren Gebäude werde nämlich auf dem Etikett vermutet, so berichtete Michael, leider größtenteils von einem Schiff verdeckt.

Als nächstes wurde von Ferit der Oban West Highland Single Malt angeboten. Es ist einer der Classic Malts of Scotland (diesen Namen verwenden sechs Brennereien zur besseren Vermarktung ihrer Produkte). Der Oban besitze einen torfigen und rauchigen Geschmack und sei vergleichsweise preiswert, so Ferit.

Um ein geschmacklich herausforderndes Ende für unser Tasting zu finden, hatte ich noch einen 10-jährigen Laphroaig Islay Single Malt mitgebracht. Dieser, wie der Name schon sagt, ebenfalls von Islay stammende Whisky, ist für seinen extremen Torf- und Rauchgeschmack bekannt. “Der provoziert”, bemerkte Manuel sogar. Ähnlich krass im Geschmack sei wohl auch der Ardbeg, empfahl Torsten noch. Michael erwähnte, dass man über die Webseite von Laphroaig wohl einen Stück von deren Grundstück erwerben kann, um sich dann beim nächsten Besuch in der Brennerei mit einer Flasche Whisky als Pacht bezahlen zu lassen. Dazu erzählte ich nun, wie ich zum Whisky-Trinken gekommen bin: Als ich mit 19 Jahren meine Tante Mechthild in England besuchte, bot diese als Digestif einen Whisky an. Mit einem Blick auf mich sagte sie damals “erstmal einen für Kinder” und holte den sehr leichten Jameson hervor. Anschließend schenkte sie dann eben den Laphroaig aus und ich wusste noch bis zum nächsten Morgen, was sie meinte.

Von dieser Geschichte inspiriert kamen nun wirklich noch einige Verrückte auf die Idee, den Jameson Irish Whiskey zu probieren, obwohl man diesen sehr angenehm und weich zu trinkenden Whiskey aus Irland nach dem Laphroaig wohl eher für einen Schluck Wasser hält.

Erstaunlicherweise fand selbst Markus, der eigentlich gar keinen Whisky mag und sich den Abend über mit aus Sipsmith London Dry Gin gemixten Basil Smashes bei Laune hielt, dass der Laphroaig “ja eigentlich geht”.

Getreu dem Motto “Wie sagt man nach dem letzten Whisky? Einer geht noch!” durfte nun jeder noch einmal seinen Lieblingswhisky des Abends probieren (bis auf Matthias, der sagte: “Egal, Hauptsache was mit Alkohol!”). Zu meiner Freude entschieden sich die meisten für meinen Balvenie. Damit ging ein sehr interessanter Abend mit erstaunlich vielen anspruchsvollen und ernsthaften Whisky-Liebhabern, vielen tollen Whiskys und auch jeder Menge Mineralwasser zu Ende.

Ich habe viel gelernt und bedanke mich mit einem “slàinte mhath” ([ˌslɑːndʒə ˈva])!

ende

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Per Bernhardt

Entwickler bei Chefkoch.de
Normalerweise bin ich bei Chefkoch.de im Bereich der Backend-Softwareentwicklung tätig. Ab und zu darf es aber auch mal ein Beitrag für den Chefkoch.de-Blog sein 😉

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3 comments

  • Das ist ein sehr schöner Artikel. Und wie ich sehe, sind einige sehr feine Whiskys dabei, die auch gern trinke. Da habt ihr was Gutes ausgewählt. 🙂

    Grüße aus Innichen

  • Diplom Juistin Daniela Piehl -

    ·

    Sehr toller Artikel mit richtig guten Whisky Empfehlungen. Bin nur über diesen Artikel gestolpert, habe meine absoluten Lieblingwhisky Laphroaig wiederentdeckt und werde ihn mir schnellstmöglich besorgen. Danke 🙂

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